brücken17

»Reise in den Süden«

dienstag / 13. juni 2017 / 19.00 uhr
payerbach / looshaus

»Reise in den Süden«
Das Programm deutet mit Werken einiger bedeutender Komponisten die Entwicklung der italienischen Musik des 20.Jahrhunderts an.

Alfredo Casella (1876-1948)
Aus dem Concerto für Streichquartett op.40 (1923), Sinfonia

Goffredo Petrassi (1904-2003)
Aus dem Streichtrio (1959), 1.und 2.Teil

Bruno Maderna (1920-1973)
Ständchen für Tini für Violine und Viola (1972)
Serenade für Claudia für Streichquartett (1968)

Luigi Nono (1924-1990)
Aus "Hay que Caminar" Soñando (1989), Nr.1 für zwei Violinen

Giacinto Scelsi (1905-1988)
Aus dem Streichtrio (1958), 1. und 4.Satz

Salvatore Sciarrino (*1947)
Melancholia für Violine und Viola (1981)

Ermanno Wolf Ferrari (1876-1948)
Aus dem Duo für Violine und Violoncello op.33a (1946), Barcarola

Gian Francesco Malipiero (1882-1973)
Cantari alla madrigalesca, Streichquartett Nr 3 (1931)

Annette Bik, Violine
Ernst Kovacic, Violine
Petra Ackermann, Viola
Andreas Lindenbaum, Violoncello

Ermanno Wolf-Ferrari (1876-1948) war Schüler Joseph Gabriel Rheinbergers in München. Ein Treffen mit Arrigo Boito, dem Textdichter Verdis, prägte ihn nachhaltig und wies ihm den Weg zum Opernkomponisten. "Die vier Grobiane" sind sein bekanntestes Bühnenwerk.Musik atmet noch Spätromantik, er schuf an den Neuerungen der Moderne vorbei höchst wirkungsvolle Kammermusik - und Orchesterwerke. Alfredo Casella (1883-1947) gehörte wie Malipiero der Generazione dell’ottanta an. Er war ein hervorragender Pianist, Kompositionsschüler von Gabriel Fauré, Studienkollege von Ravel und Enescu. In Paris lernt er auch Strawinsky kennen:von ihm und anderen Wegbereitern der Neuen Musik nahm er viele Anregungen auf, blieb aber letzten Endes dem neoklassizistischen Stil verhaftet, allerdings - und das macht seine Popularität in Italien aus - verstand er es immer wieder Elemente der italienischen Volksmusik einfliessen zu lassen. Gian Francesco Malipiero (1882-1973) entstammte, wie Casella, einer alten Musikerfamilie (sein Grossvater war Opernkomponist, sein Vater Pianist). Unter anderem studierte er auch in Wien. In jungen Jahren beschäftigte er sich mit alten italienischen Meistern wie Monteverdi etc. und betätigte sich auch als Herausgeber barocker Werke. Als er "Sacre du Printemps" von Strawinsky hörte, verwarf er einen Grossteil seiner frühen Werke und öffnete sich impressionistischen Einflüssen. Seine zahlreichen, nach dem ersten Weltkrieg entstandenen Werke (an die 30 Opern, viele Sinfonien und reiche Kammermusik) zeichnen sich durch besondere kontrapunktische Gediegenheit aus, sind sehr diatonisch angelegt, aber von sperriger Chromatik durchsetzt. Auch er war wie Casella im Neoklassizismus beheimatet und versuchte, alte Formen wieder zu beleben. Goffredo Petrassi (1904- 2003) war in einer Musikalienhandlung beschäftigt und hatte daher leichten Zugang zu vielen Partituren, die er eifrigst studierte; erst später nahm er Unterricht bei Alessandro Bustini an der Accademia di Santa Cecilia in Rom, an der er selbst Lehrer wurde. Er fing dort an, wo Casella und Malipiero aufgehört hatten: beim Neoklassizismus. Allerdings öffnete er sich bald verstärkt Einflüssen von Strawinsky, Hindemith bis hin zu Schönberg und entwickelte langsam seine eigene Tonsprache in Richtung eines sich in freier Tonalität bewegenden Serialismus. Casella führte ihn in die italienische Vokalmusik ein. Diese Kenntnis führten ganz folgerichtig zu seiner Berufung als Direktor des Teatro La Fenice in Venedig. Bruno Maderna (1920-1973) war als Sohn eines Unterhaltungsmusikers ein Geigenwunderkind und dirigierte schon mit 7 Jahren Symphonieorchester. Er studierte bei Malipiero, betrachtete allerdings den Dirigenten Herman Scherchen als seinen eigentlichen Lehrer. Dieser und sein Freund Luigi Nono führten ihn in die Techniken der Neuen Musik ein; zusammen mit ihm besuchte er die Darmstädter Ferienkurse, damals ein Mekka der Neuen Musik. Er reicherte in seinen Werken den Serialismus mit aleatorischen Elementen an und fand auf diese Weise zu einer offenen Kunstform. Sein weltweiter Ruf als führender Dirigent der Moderne liess leider sein kompositorisches Werk in der Öffentlichkeit in den Hintergrund geraten, was seiner Bedeutung aber keinen Abbruch tut. Das Ständchen und die Serenade sind zwei für "private" Anlässe geschriebene kurze Werke in sehr klassizistischem Charakter. Giacinto Scelsi (1905-1988) liess kaum Informationen über sich an die Aussenwelt
gelangen. Auch sein Werk ist von Geheimnissen umrankt. Obwohl er in den 30-er Jahren normale Kompositionsstudien betrieb, benützte er in seiner nach 1952 geschaffenen Musik keine raditionelle Satztechniken noch verschrieb er sich Konzepten der musikalischen Moderne. Eine psychische Erkrankung in den 40-er Jahren zwang ihn, aufs Komponieren zu verzichten. Erst ab 1952 entwickelte er seine eigene Vorstellung eines sphärischen Klanges, den er durch mikrotonale Elemente zu erreichen suchte. Er verabscheute das traditionelle Tonsetzen. Seine Werke
entstanden in intuitiver Improvisation, entweder am Klavier oder einer Ondoline (einem elektronischen Musikinstrument), die er auf Tonbänder aufnahm und von kaum bekannten Komponisten in Notenschrift übertragen liess. Scelsi befasste sich intensiv mit östlicher Philosophie und war Anhänger der Reinkarnationslehre. Luigi Nono (1924-1990) studierte auf Wunsch seines Vaters zuerst Jura, war aber schon als Gymnasiast Privatschüler von Malipiero. Später nahm er beim nicht viel älteren und befreundeten Bruno Maderna Kompositionsunterricht. Für beide war
allerdings Hermann Scherchen die prägende Mentorgestalt. Nono war Zeit seines Lebens politisch als Mitglied der Kommunistischen Partei aktiv; viele seiner Werke nehmen in betroffen machender Weise auf Missstände seiner Zeit Bezug, wie z.B. sein wohl bekanntestes Werk "Intolleranza" 1960/61, das wider Intoleranz und Gewalt gegenüber Flüchtlingen geschrieben ist. Sein berühmtester Schüler ist Helmut Lachenmann, eine der führenden Gestalten der Neuen Musik. Nono war mit Nuria Schönberg, der Tochter Arnold Schönbergs verheiratet. Salvatore Sciarrino wurde 1947 in Sizilien geboren und ist einer heute ein weltweit aufgeführter Komponist. Er ist sehr stolz darauf, nie eine Musikschule besucht zu haben, also ein Autodidakt gewesen zu sein. Sein Werk umfasst alle Genres, von Musiktheater über Orchester- und Chormusik bis zu Kammer- und
Solomusik. Seine Musik lässt sich durch vier Begriffe umschreiben: Einfachheit, Stille, Geräusch und Klangfarbe. Diese Elemente bilden die Ursubstanz seiner Musik, die in lärmenden Zeiten wie der unseren eine wahre Wohltat ist. Annette Bik studierte in Salzburg und Wien. Sie war Mitglied in verschiedenen Ensembles wie dem Hagen Quartett und dem Chamber Orchestra of Europe. Seit
1989 ist sie Mitglied des Klangforum Wien. Sie unterrichtet an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, ist Geigerin im Schrammelquartett "attensam" und im Tango-quintett "tango la boca ». Außerdem ist sie gern gesehener Gast im "Concentus Musicus” Wien.

Über Jahrhunderte gab es eine reiche musikalische Verbindung zwischen Wien und Italien. Der Bau der Semmeringbahn hat den Süden noch viel näher gerückt. Der kulturelle Austausch boomte nachhaltigst: Der Italiener Claudio Abbado war einer der Mentoren des Festivals "wien modern"!

Vor dem Konzert und in der Pause wird ein Menü serviert.
Besuch nur mit Reservierung möglich:
Gesamtpreis für Konzert und Menü: 58€ /inkl. Weinbegleitung 73€
Hotel Looshaus am Kreuzberg / Fam. Steiner /Sehn
+43 2666 52911 oder steiner@looshaus.at
In Kooperation mit dem Hotel Looshaus am Kreuzberg




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