bildende kunst

Sabina Hörtner
"metermachen"

6. 10. bis 3. 11. 2013
kunsthaus muerz / walter buchebner saal

Gezählte 732 Einzelzeichnungen, in den Maßen 50 x 70 cm, hat Sabina Hörtner in ihrem Atelier angefertigt und anschließend an den Wänden des kunsthauses muerz angebracht. Die Zeichnungen bedecken vollständig die Wände des Ausstellungsraumes und gehen eine Synthese im neu entstandenen rahmenlosen Bild ein. Dadurch, dass die Ausgänge ausgespart werden, verschmilzt das Werk gänzlich mit der architektonischen Struktur. Die Betrachter finden sich wieder in einem ungewöhnlichen, von Linien erzeugten und definierten Raum, der außerordentliche räumliche Erfahrungen ermöglicht.


©_croce&wir

Auch in ihrem neuesten Werk schreibt Sabina Hörtner mit einfachen geraden Linien, die seriell horizontal und vertikal nebeneinander gesetzt werden, eine zeichnerische Situation in einen vorgegebenen architektonischen Raum ein. Drei Zentimeter dicke Striche aus Filzstiften, die mit speziellen Acrylfarben befüllt werden können, bilden ein die Fläche feinteilig gliederndes und rhythmisierendes Raster. Nicht die einzelne Linie ist von Bedeutung, sondern das Liniengewebe in seiner Gesamtheit, das den Raum auskleidet und in seiner Erscheinung transformiert. Dieses wird erzeugt durch eine Linienschichtung, in der die färbigen horizontalen Linien mit den schwarzen vertikalen Linien verwoben und die Farben einmal opak, einmal transparent aufgetragen sind.

Der Titel "metermachen" verweist auf das damit verbundene Thema. Der umgangssprachliche Ausdruck wird von Bergsteigern verwendet, die weite Entfernungen im oft schwierigen Gelände zurücklegen müssen. Ausgehend von Erinnerungen an ihre Kindheit und speziell an ihren verstorbenen Vater transferiert Sabina Hörtner eine Gegebenheit der Natur in den Museumsraum: Den von einem bestimmten Berg, der Schneealpe, aus wahrnehmbare Horizont, wie er sich einem Rundum-Blick vom Gipfel in die Ferne zeigt. Der reale Horizontverlauf, die sichtbare Grenzlinie zwischen Himmel und Erde, die sich entsprechend den natürlichen Gegebenheiten - den verschiedenen Kuppen, Gipfeln, Senken und Tälern - entwickelt, wiederholt sich im abstrakten Bildraum nicht als illusionistisch-abbildendes Landschaftspanorama, sondern als kaleidoskopisch ausgebildetes Gefüge sich einander begegnender und kreuzender Linienverbände. Spiegelbildlich verdoppelt durchläuft der Horizont im Kreislauf seines Wahrgenommen-Seins alle vier Himmelsrichtungen, farblich fein nuanciert bestimmt und abgestimmt, vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. "Wie im Leben", so die Künstlerin, entstehen für die sich im Raum bewegenden und wahrnehmenden Betrachter "immer neue Situationen, die sich nicht wiederholen".
(Kerstin Barnick-Braun)

Dauer der Ausstellung: bis Sonntag, 3. November 2013
Öffnungszeiten: Donnerstag - Samstag: 10 - 18 Uhr,
Sonntag: 10 - 16 Uhr,

freier Eintritt



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