literatur

Christoph Ransmayr »Spielformen des Erzählens«

montag / 18. november 2019 / 19.00 uhr
kunsthaus muerz

Unterwegs nach Babylon - Spielformen des Erzählens lautete der Titel der Tübinger Poetik-Dozentur im Dezember 2012. Programmatisch sind dabei der Weg, die Reise und die Sprache - oder besser: die vielen Sprachen - miteinander verbunden. In den Büchern von Christoph Ransmayr, aber auch in den Texten von Raoul Schrott, in ihren Essays, Gedichten und Geschichten geht es um die Verbindung von Reisen, Erfahren, Wissen und Poesie. Das Reisen, also der Abschied von der Heimat, die Begegnung mit dem Fremden, die Überschreitung von Grenzen und die Rückkehr sind dabei ebenso unabdingbar mit der Vorstellung vom Menschen verbunden, wie es die Sprache, genauer, der poetische Ausdruck des Erlebten ist. Für Christoph Ransmayr haben Geschichten keine zeitlose, klassische Gültigkeit, sondern vielmehr eine Art Eigenleben, das sie am Ende eben auch verschwinden macht. Geschichten mögen ein menschliches Leben überdauern und damit auf Zeiten verweisen, die über biographische Dimensionen hinausgehen; sie erinnern an Tote und erzählen für noch Ungeborene, aber sie sind nicht ewig. Wenn es so etwas wie eine Archäologie der Literatur oder der Kultur gibt, dann ist Raoul Schrott ihr einziger legitimer Vertreter. Sein Ziel sind dabei die Anfänge, die Ursprünge der Kultur. Schrott verteidigt - gegen heftige Kritik und Widerspruch aus so ziemlich allen Lagern des akademischen Betriebs - seinen Gestus des Universalgelehrten gegen die moderne Spezialisierung. Er ist eigentlich immer auf der Suche nach versunkenen Orten, Plätzen, Räumen, Sprachen, Formulierungen, Metaphern und Geschichten, auf den Spuren uralter Traditionen, die viel, viel älter sind als alles, worauf das nördliche Europa seine Kultur gründet.
Autoren: Christoph Ransmayr, Raoul Schrott

Christoph Ransmayr, wurde 1954 in Wels/Oberösterreich geboren und lebt nach Jahren in Irland und auf Reisen wieder in Wien. Neben seinen Romanen ›Die Schrecken des Eises und der Finsternis‹, ›Die letzte Welt‹, ›Morbus Kitahara‹, ›Der fliegende Berg‹ und dem ›Atlas eines ängstlichen Mannes‹ erschienen bisher zehn Spielformen des Erzählens, darunter ›Damen & Herren unter Wasser‹, ›Geständnisse eines Touristen‹, ›Der Wolfsjäger‹ und ›Gerede‹. Zum Werk Christoph Ransmayrs erschien der Band ›Bericht am Feuer‹. Fu¨r seine Bu¨cher, die in mehr als dreißig Sprachen u¨bersetzt wurden, erhielt er zahlreiche literarische Auszeichnungen, unter anderem die nach Friedrich Hölderlin, Franz Kafka und Bert Brecht benannten Literaturpreise, den Premio Mondello und, gemeinsam mit Salman Rushdie, den Prix Aristeion der Europäischen Union, den Prix du meilleur livre étranger und den Prix Jean Monnet de Littérature Européenne. Zuletzt erschien der Roman ›Cox oder Der Lauf der Zeit‹.

Literaturpreise:
Anton-Wildgans Preis der österreichischen Industrie (1989), Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1992), Franz-Kafka-Preis (1995), Franz-Nabl-Preis der Stadt Graz (1996), Aristeion-Preis der Europäischen Union (1996, gemeinsam mit Salman Rushdie), Solothurner Literaturpreis (1997), Premio Letterario Internazionale Mondello (1997), Landeskulturpreis für Literatur des Bundeslandes Oberösterreich (1997), Friedrich Hölderlin Preis der Stadt Bad Homburg (1998), Nestroy-Preis (Bestes Stück - Autorenpreis) für "Die Unsichtbare" (2001), Bertolt-Brecht-Literaturpreis der Stadt Augsburg (2004), Heinrich-Böll-Preis (2007), Premio Itas (2009), Premio La voce dei lettori (2009), Premio Gambrinus (2010), Ernst-Toller-Preis (2013), Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau (2013), Franz-Josef-Altenburg-Preis (2014), Donauland Sachbuchpreis (2014), Fontane-Preis für Literatur (2014), Prix Jean Monnet de Littératures Européennes (2015), Prix du Meilleur livre étranger (2015).

Eintritt 6 / 4
Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren Eintritt frei



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